Frage von : Ewigbaustelle Fußballregionalliga: Fünfte Version?
Zur Saison 2012/13 soll nochmals eine Reform der Regionalliga im Herrenfußball umgesetzt werden. Diese ist dann fünfgleisig und orientiert sich weitgehend an der Flächenabdeckung der Fußballverbände, was ja auch sinnvoll ist.
http://en.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Regionalliga#maps
Wieso hat man das nicht gleich so gemacht, und krempelt schon nach 4 Jahren wieder das System um? Was war überhaupt der Anlass für diese Reform?
Beste Antwort:
Answer by Patrick
Der DFB ist seit Jahren dafür bekannt, den Amateurfußball zu benachteiligen. Deswegen sind weiterhin Reserveteams in den höheren Spielklassen erlaubt, welche anderen Vereinen die Plätze in den Ligen wegnehmen. Zudem wirkt es so, dass der DFB am liebsten den Profi- vom Amateurfußball abspalten will, das zeigen schon die übertriebenen Kosten für eine RL-Teilnahme, Stadionanforderungen etc. Würde es nicht wahrscheinlich so viele Proteste aus dem Amateurlager geben, würde der DFB sicher den Abstieg aus der RL abschaffen, damit der Profifußball eine geschlossene Gesellschaft wird, in die sich nur finanzkräftige Vereine einkaufen können – wie es jahrelang in ENG und NED der Fall war und heute noch in SCO.
Der DFB macht mit dem Amateurfußball ~ obwohl dieser die Grundlage des Fußballs bildet – einfach „zu wenig“ Geld. Die Meinung eines großen Klubs ist wichtiger als die Meinung eines Verbandsligisten: Wenn Bayern (oder ein vergleichbarer Verein) die Klappe aufreißt, dann kuscht der DFB. Darum handelt er seit Jahrzehnten zu Gunsten der Profivereine, und wenn mal jemand dazustoßen will, dann braucht es den Hintergrund wie bei Hoffenheim oder RB Leipzig. Für andere Klubs ist die OL das höchste der Gefühle, weil sie die Kosten nicht tragen können, in höheren Ligen anzutreten.
Schon seit die BL gegründet wurde, ändert der DFB alle paar Jahre den Übergang vom Amateur- zum Profifußball, und zwar immer wieder zu Gunsten der Profis. Als die RL nach der Wende gegründet wurde, sollte es ursprünglich 3 Staffeln in der regionalen Ausdehnung wie heutzutage geben, nur die Proteste der Nord- und der Ostvereine erreichten eine Aufteilung der RL Nord in eine RL Nord und eine RL Nordost.
Mit Gründung der RL und den immer wieder erhöhten Anforderungen zogen sich immer mehr Mannschaften zurück – als dann die RL um die Jahrtausendwende auf 2 Staffeln verkleinert wurde, waren es immer mehr Teams, die nicht mehr in die RL wollten und sich entweder zurückzogen (Feucht) oder als OL-Meister gar nicht aufsteigen wollten (Neunkirchen).
Nicht mal 10 Jahre später wird wieder das System geändert und die 3. Liga eingeführt – gut für die Fans (der Drittligavereine), schlecht für die Vereine, denn die 3. Liga ist ein Himmelfahrtskommando und das wird auch die Reform 2012 nicht ändern: Hohe Fahrtkosten, Anforderungen an Infrastruktur und Stadion und wenig Fernsehgelder. Überleben kann man in Liga 3 nicht, egal wie sehr der DFB dieses Kontrukt lobt – Koblenz, Ahlen und Emden zeigen das.
Für den Amateurfußball ist die 3. Liga Gift, denn dadurch stiegen alle Klubs eine Liga ab: War 2007 ein Verbandsligist noch fünftklassig, ist er nun noch sechstklassig. Die RL kommt für die meisten OL-Klubs auch im Falle eines Aufstieges nicht in Frage, weil die ganzen unnötigen Zweitmannschaften die Liga uninteressanter machen, als es die OL sind. Im Norden ergibt sich dann noch das Problem, dass aufgrund von fehlender Weitsichtigkeit die OL Nord abgeschafft wurde, so dass dort unter der RL direkt die Verbandsligen kommen – ein fast unmöglich zu stemmender Unterschied!
Logischerweise wurden die Proteste der kleinen Vereine, die in die RL wollen aber nicht können, immer größer: Und da kann der DFB nichts machen, als etwas zu ändern, ob er will oder nicht – und ich bin mir sicher, dass dem DFB das bisherige System mit dem abgeschnittenen Amateurfußball lieber war.
Und nun gibt es halt fünf RL. Die 3. Liga bleibt so, wie sie ist, was an der dortigen finanziell instabilen Lage nichts ändert und die RL wird weiterhin mit wettbewerbsverzerrenden Reserveteams vollgestopft sein (höchstens 7 pro Staffel), was die Liga auch nicht interessanter macht. Zudem sind nun unter der einstaffligen 3. Liga gleich 5 RL-Staffeln, deren Meister nicht einmal direkt aufsteigen können, da eine Relegation notwendig wird. Das sorgt für fehlende Planungssicherheit bei potentiellen Aufstiegskandidaten.
Und die geographische Einteilung der RL ist mMn eine Frechheit. Es kann nicht sein, dass der bayrische Verband eine eigene (!) RL bekommt, während sich Hessen, Ba-Wü, Rheinl-Pfalz und das Saarland eine Staffel (RL Südwest genannt) teilen müssen. Dies sorgt in erster Linie für ein vollkommenes Ungleichgewicht der Stärken der jeweiligen RL-Staffeln, was sich auch daran ausschlägt, dass in der Südwest-Liga gleich 2 Klubs in die Relegation dürfen. Zudem macht es die RLen nicht vergleichbar, denn während die RL Bayern wie eine leicht verbesserte OL wirkt, ist die RL Südwest vom Niveau mit der RL vergleichbar, als es noch keine 3. Liga gab.
Man muss abwarten, wie sich diese Ligareform auswirkt. In die Jubelstürme einstimmen werde ich nicht, zumal ich strikt der Meinung bin, dass Reserveteams in ein eigenes Ligasystem gehören. In keinem anderen Land, in dem der Fußball diesen Stellenwert hat, gibt es so viele Veränderungen am Ligasystem, wie in GER. Und da das hier Tradition ist, wird die Frage, die Du gestellt hast, in 5 bis 10 Jahren erneut aktuell sein.
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